Tag der Lehre 2018 – Austausch-Plattform für innovative Lehrprojekte erstmals auch offen für externe Teilnehmer

Am 24. April 2018 fand an der Universität St. Gallen bereits zum vierten Mal der «Tag der Lehre» statt. In diesem Jahr wurden erstmals auch Vertreterinnen und Vertreter der Fachhochschule und der Pädagogischen Hochschule St. Gallen eingeladen. Rund 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden den Weg in den Senatsraum und nutzten diese vom Teaching Innovation Lab organisierte Plattform zur Diskussion und Austausch über innovative Lehrformate.

Der Tag der Lehre ist seit der ersten Durchführung im Jahre 2015 stetig gewachsen und mittlerweile ein etabliertes Gefäss für innovative Dozierende, Studierende und Verwaltungsmitarbeitende, hielt Prorektor Studium und Lehre, Prof. Dr. Lukas Gschwend, in seinem Grusswort freudig fest. Ganz besonders freue er sich über die Gäste aus der FH und PH St. Gallen. Die Universität St. Gallen nimmt veränderte Lehr- und Lernbedürfnisse auf und treibt mit Pilotprojekten im Bereich «Blended Learning» und «E-Assessments» sowie dem geplanten Learning Center gleich mehrere innovative Projekte im Bereich der Lehre voran. Auch die Leiterin des Teaching Innovation Lab, Jacqueline Gasser-Beck, begrüsste alle Anwesenden herzlich und orientierte über den bevorstehenden Tag.

Dominic Liechti, Executive Director der Khan Lab School, referierte als Key Note Speaker zum Thema «Humanizing Digital Education again». Er präsentierte das überaus spannende Konzept der Khan Lab School das auf fünf Grundpfeilern «Approach to Learning», «Architecture of Learning», «Academic & character outcomes», «Art of teaching» und «Accessible to the world» basiert. Insbesondere vermochte er aufzuzeigen, wie eine Bildungsinstitution ohne Noten und mit nur rund 36% vorgegebenen Lerninhalten funktioniert – und zwar äusserst erfolgreich! Digitale Innovationen können den Unterricht zwar ergänzen, der Mensch wird dabei aber weiterhin im Mittelpunkt stehen, betonte er in seinem Referat. Die klassische Rollenverteilung von Lehrendem und Lernenden wird sich aber verändern müssen. Trotz der beindruckenden Präsentation blieb bei einigen Zuhörerinnen und Zuhörern die Frage offen, ob dieses Konzept ohne weiteres in ein universitäres Umfeld transferiert werden könnte.

Dass auch Kurse auf universitärer Stufe innovativ umgesetzt werden können, zeigte Dr. Mario Silic, Post-Doc am Institut für Wirtschaftsinformatik. Er stellte das Projekt «XCamp at HSG» vor, bei dem in einem «flipped classroom»-Setting Programmiersprachen gelehrt werden. Anstatt nur eine Programmiersprache pro Vorlesung zu lehren, können die Studierenden in diesem Kurs aus 12 Programmiersprachen die für ihr Projekt geeignetste  auswählen oder gar mehrere Sprachen erlernen. Bereits die erste Ausschreibung war überaus erfolgreich und Mario Silic konnte sich vor Anmeldungen kaum retten. Im Vergleich zur Khan Lab School findet dieser Kurs ausschliesslich online statt, eine physische Anwesenheit in St. Gallen ist nicht nötig. Trotzdem ist das Feedback des Dozenten individuell und persönlich, was das Angebot deutlich von einem MOOC (Massive Open Online Course) unterscheidet. Die Rückmeldungen der Kursteilnehmenden waren gemäss Silic durchwegs positiv und der Lerneffekt sehr gross – doch passt diese Art von Vorlesung zum Dogma der Campus-Universität?

Prof. Dr. Caspar Hirschi und der Leiter Administration SHSS, Dr. Yves Partschefeld, gewährten zusammen einen Einblick in innovative Lehrformate im Bereich des Kontextstudiums. Mit der Reform des Kontextstudiums wird ein integrativer Ansatz verfolgt um die Kontextangebote noch besser mit dem entsprechenden Fachstudium zu verknüpfen. Die Angebote aus acht Fokusbereichen können unterschiedlich kombiniert und dem individuellen Studienbedürfnissen – von Fachvertiefung über Horizonterweiterung bis hin zur Austauscherfahrung – angepasst werden. Zudem wird das neue Portfolio-Seminar die Möglichkeit bieten eine gezielte inhaltliche Verknüpfung zwischen Kontext- Kernfachbereich herzustellen.

Prof. Dr. Bernadette Dilger führte die Teilnehmenden in die nahe Zukunft des geplanten «Learning Centers». Sie erläuterte, wie die Recherchen der Projektgruppe zu zukünftigen Lehr- und Lernszenarien in die Kriterien für den Architekturwettbewerb eingeflossen sind. Es werde kein klassisches «Raumangebot» mit Einzel- oder Gruppenarbeitsplätzen angestrebt, sondern ein «Gesamtkonzept» mit variablen Lernräumen die sich unterschiedlichen Nutzungsbedürfnissen anpassen. Insbesondere sollen sich im neuen Gebäude die drei Fähigkeiten «Kritisches Analysieren & Reflektieren», «Erfinden & Kreieren» sowie «Begeistern & Kommunizieren» wiederspiegeln. Im Moment arbeite man an einem didaktischen Nutzungskonzept, das bis zur Eröffnung 2021 in kleineren Settings erprobt werden soll.

Felix Seyfarth, Mitarbeiter des Teaching Innovation Lab, informierte über den aktuellen Stand der Überführung des in die Jahre gekommenen StudyNet in ein zeitgemässes Learning Management System (LMS). Insbesondere orientierte er über die Resultate der Pilotstudie aus dem vergangenen Herbstsemester, an der knapp 20 Dozierende und 1800 Studierende teilnahmen. Die Anforderungen an das neue System sind gross, insbesondere was die Umsetzung von zukünftigen Neuerungen betrifft: «Es wird nicht nur ein Produkt, sondern eine Partnerschaft gesucht», so Seyfarth. Im Moment werden verschiedene Systeme evaluiert, um im Herbstsemester, spätestens aber im Frühjahrssemester 2019, ein für Studierende und Dozierende ansprechendes LMS in Betrieb zu nehmen.

Die studentische Sicht auf Innovationen in der Lehre vertrat Florian Wussmann, Vorstand Interessenvertretung SHSG. Er präsentierte ein neues Konzept, wie Lern-Unterlagen von Studierenden (insbesondere Zusammenfassungen, Lernkarten, etc.) anderen Studierenden elektronisch zur Verfügung gestellt werden könnten. Er betonte dabei, dass 92% der Studierenden an der Universität St. Gallen wünschen, dass sämtliche Lehrunterlagen auch elektronisch verfügbar sind und 89% gar auf externe Lernmaterialien zurückgreifen, weil – aus studentischer Sicht - keine geeigneten HSG-Unterlagen zur Verfügung stünden. Angesichts dieser Umfrageergebnisse stelle sich die Frage, ob die durch die Dozierenden bereitgestellten Lehrmaterialien noch den Bedürfnissen der Studierenden entsprechen. Trotz des boomenden Angebots im Bereich Prüfungsvorbereitung stellt sich am Ende die Frage, ob das eigenständige Erstellen einer Zusammenfassung nicht doch ein zentrales Element jedes Lernprozesses ist?

Im letzten offiziellen Teil des Tages fanden parallel zwei Workshops statt. Felix Seyfarth informierte im «Learning Studio» vertieft über die geplante LMS-Überführung. Insbesondere hielt er fest, dass mit dem neuen System das Lernen nicht mehr nur während der Vorlesung im Plenarsaal, sondern immer und überall stattfinden soll. Björn Schmidtke von der Studentenschaft präsentierte im «Maker Space» die Initiative «Code Learning @HSG», welche informelle (coaching) und formelle (ausgewählte Online Kurse) Learning Elemente kombiniert und jedemInteressierten an der Universität St. Gallen ermöglicht Programmiersprachen zu erlernen beziehungsweise ein digitales Projekt gemeinschaftlich voran zu treiben.

Abgerundet wurde dieser sehr interessante Tag durch einen reichhaltigen Apéro-riche im «Meeting Point» und einer Besichtigung des kürzlich eröffneten Co-Working-Spaces der Studentenschaft.

Die Rückmeldungen über den diesjährigen Tag der Lehre waren rundum sehr positiv: «Ich bin heute zum ersten Mal dabei und habe mit Erschrecken festgestellt, was ich die letzten drei Jahre verpasst habe!» hielt eine begeisterte Teilnehmerin fest. Wie wichtig der Tag der Lehre als Austausch-Plattform ist, betonte auch ein ständiger Dozent während dem Apéro: «Es ist sehr wichtig, über neue Lehr-Lern-Formate zu diskutieren und sich inspirieren zu lassen, auch wenn die Umsetzung im eigenen Kontext nicht einfach ist». Ebenfalls rundum zufrieden ist auch Organisatorin Jacqueline Gasser-Beck und ergänzt schmunzelnd: «Es wäre wünschenswert, wenn wir zukünftig auch jene Dozierende ansprechen würden, die nicht ohnehin schon innovativ sind…».

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