Am 22. Mai 2019 fand an der Universität St. Gallen bereits zum fünften Mal der «Tag der Lehre» statt. In diesem Jahr stand die neue Lernplattform «Canvas» im Zentrum, waren neben der Keynote doch auch diverse Best Practice Präsentationen auf das neue Learning Management System ausgerichtet. Rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden den Weg in den Senatsraum und nutzten diese vom Teaching Innovation Lab organisierte Plattform zur Diskussion und Austausch über innovative Lehrformate.

Seit der ersten Durchführung im Jahre 2015 ist der Tag der Lehre stetig gewachsen und hat sich mittlerweile als Plattform für innovative Dozierende, Studierende und Verwaltungsmitarbeitende etabliert, stellte Prorektor Studium und Lehre, Prof. Dr. Lukas Gschwend, in seinem Grusswort fest. Das neue Studynet «Canvas» bringe einen grossen Qualitätssprung in der Lehre, dessen erfolgreiche Implementierung sei also ein Projekt von allergrösster Wichtigkeit. Gschwend ist über die grosse Teilnehmerzahl erfreut, zeugt sie doch von einer grossen Bereitschaft, die Plattform kennenzulernen und sich über deren sinnvollen Nutzung auszutauschen. Auch die Leiterin des Teaching Innovation Lab, Jacqueline Gasser-Beck, begrüsste alle Anwesenden herzlich und orientierte über den bevorstehenden Tag.

Die Studierenden wollen an einem guten Lernprozess teilnehmen

Prof. Dr. Ilka Nagel, Assistenzprofessorin für ICT und Pädagogik am Østfold University College in Norwegen, zeigte in ihrer Keynote zum Thema «Lehren und Lernen im digitalen Kontext», wie digitale Tools wie «Canvas» oder «Office 365» den Lehr-Lern-Prozess erfolgreich unterstützen können. Sie ist überzeugt, dass Studierende an einer Universität heutzutage nicht mehr einfach nur Wissen abholen, sondern aktiv an einem gut gestalteten Lernprozess teilnehmen wollen. Nagel vergleicht den traditionellen Lehr-Lernprozess mit einer Busfahrt: Die Lehrperson sitzt vorne, weiss wo`s hingeht und führt die Studierenden sicher ans Ziel. In der neuen Lernwelt sollen Studierende in kleineren Gruppen im eigenen Wagen “selbstgesteuert” ans Ziel kommen. Die Lehrperson begleitet die Gruppen noch immer als Reiseleiter und greift dann lenkend ein, wenn die Studierenden eine Kurskorrektur brauchen, um das Lernziel zu erreichen. Digitale Hilfsmittel wie «Canvas» und «Ofice 365» können bei dieser Reise unterstützen.

Florian Wussmann, Präsident der Studentenschaft der Universität St.Gallen zeigte in seinem Kurzreferat auf, wie sich die SHSG in den Evaluations- und Implementierungsprozess von «Canvas» eingebracht hat bzw. immer noch einbringt: Als Interessenvertreter ist Wussmann Mitglied des Projektlenkungsausschusses und ausserdem verantwortlich für ein Team an studentischen Tutoren, das die Faculty bei der erstmaligen Erstellung der Kurse auf «Canvas» unterstützt.

Erwünschtes Chaos in der sonst so geordneten Uni

Nach dem Lunch erläuterte Prof. Dr. Bernadette Dilger, Professorin für Wirtschaftspädagogik und Direktorin des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der Universität St. Gallen, die Einrichtung und das Konzept der drei neu eingerichteten Lernräume im Obergeschoss des Bibliotheksgebäudes. Diese Räume haben bewusst keinen festen Bestuhlungsplan und können je nach Bedürfnis sehr flexibel umgebaut und eingerichtet werden – ein erwünschtes Chaos eben. «Doch wie schaffen wir es, in einem sonst so geordneten Gebäude, ein erwünschtes Chaos zu schaffen?», fragte Dilger und gab die Antwort gleich selber, indem sie vier verschiedene Möblierungs-Settings im Raum zeigte, erklärte und auch gleich zum Ausprobieren und Diskutieren aufforderte. Auf verschiedenen Postern konnten auch Ideen von Studierenden zur Gestaltung von innovativen Lehr-/Lern-Räumen bestaunt werden.

Best of Canvas

Für den restlichen Nachmittag stand wieder die neue Lernplattform «Canvas» im Fokus. Obwohl die Plattform noch nicht lange implementiert ist und erst ein paar Kurse im Rahmen eines Pilottests darauf durchgeführt wurden, konnten schon drei Dozierende gewonnen werden, die ihre Kursräume am Tag der Lehre als Best Practice Beispiel präsentierten.

Alle drei Beispiele setzten ein Flipped Classroom Konzept auf «Canvas» um, jedoch mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Es war sehr interessant, zu sehen, wie «Canvas» die Umsetzung eines solchen Blended Learning Modells unterstützen kann und welche Tools dabei besonders nützlich sind.

Parallel zu den Best Practice Präsentationen fand ein Austausch mit den Dozierenden statt, die am Pilotprojekt mit «Canvas» teilgenommen haben. Diese konnten sich dort mit Experten vom Institut für Wirtschaftspädagogik und dem Teaching Innovation Lab austauschen.

Digitale Kompetenzen im Wandel

Als Abschluss zeigte Prof. Dr. Sabine Seufert, Professorin für Wirtschaftspädagogik und Direktorin des Instituts für Wirtschaftspädagogik digitale Bildung und betriebliche Bildung, auf, dass sich mit dem Entstehen dieser neuen Lehr-/Lern-Konzepte auch die Anforderungen an die Dozierenden stark verändert haben. Seufert hat sich zum Ziel gesetzt, die digitalen Kompetenzen der Lehrenden an der Universität St.Gallen zu fördern und präsentierte ein entsprechendes Kursangebot vom Hochschuldidaktischen Zentrum.

Abgerundet wurde dieser sehr interessante Tag traditionell durch einen reichhaltigen Apéro-riche im «Meeting Point», wo die Teilnehmenden den Tag mit spannenden Diskussionen ausklingen lassen konnten.

Text & Fotos: Samuel Heer