Diplomatische Rollenspiele, Gamification, Biographieforschung, Apps programmieren, Filme drehen – wo gibt es sowas? Alles sind Beispiele für Lehrveranstaltungen an der Universität St Gallen – denn längst haben sich neben der altbewährten Vorlesung zahlreiche unkonventionelle Formate und innovative Methoden etabliert. Allerdings sind sie nicht immer leicht zu finden, denn jedes Semester bietet die Hochschule ihren Studierenden ein Portfolio von über 900 Lehrveranstaltungen.

Um die Vielfalt der im Lehrangebot umgesetzten Ideen sichtbarer zu machen lud das Projekt „Innovation Lehre“ unter Leitung von Jacqueline Gasser-Beck am 11. Mai 2015 alle Interessierten zum ersten hochschulübergreifenden Tag der Lehre” ein. Von morgens bis abends stand das Bibliotheksgebäude im Zeichen des Austausches zu Lehr- und Lernprozessen. Über ein Dutzend Impulsreferate und Posterpräsentationen gaben Einblick in ganz unterschiedliche Erfahrungen und Experimente, vom Assessment bis zum Executive MBA, und boten Anlass zur Diskussion von strukturellen Herausforderungen für das universitäre Lernen.

Dozierende und Studierende konnten den Markt der Möglichkeiten und das Inno-Café nutzen, um sich mehr oder weniger zwanglos auch mit den großen Fragen der Lehrstrategie der HSG auseinanderzusetzen:  Wie kann dauerhafte Lernmotivation und selbständiges Lernen im Studium unterstützt werden? Wie lassen sich Forschungsbezüge und Praxisnähe in den Hörsaal integrieren? Können wir Handlungskompetenzen, kreatives Denken und Führungsqualitäten noch lebendiger vermitteln? Wie begegnen wir als Hochschule den Anforderungen der digitalen Gesellschaft in Studium und Ausbildung? Wie addressieren wir Fragen der Notengebung und die Schwächen von Prüfungsformaten?

Der „Tag der Lehre“ versteht sich als Auftakt für eine langfristige Universitätsstrategie der Vernetzung und Innovationsförderung im Kontext eines sich rapide wandelnden Umfeldes von Lernenden und Lernen. Digitale Netzwerke und mobile Endgeräte fordern von Wissenschaftlern wie Praktikern neue Kompetenzen im Umgang mit Information. Recherche und die Verfügbarkeit von Wissen haben sich dramatisch vereinfacht, deshalb müssen heutige Absolventen ihre Fähigkeiten zu kritischer Analyse, interdisziplinärem Denken und praxisbewährtem Anwendungswissen unter Beweis stellen. Ziel der Veranstaltung, die im kommenden Jahr erneut stattfinden wird, ist deshalb der Beginn eines institutionellen Dialogs über Qualität und Entwicklung der Lehre an der HSG. Dazu gehört neben dem gezielten Fördern von Lehrprojekten und innovativen Lehrformen auch das Vernetzen interessierter Akteure um experimentelle Lehrformen zu ermutigen.